KI-Anwendungsprojekt mit Bionic Mesh Design GmbH

Der Ausgangspunkt: Optimiert, aber noch nicht fertig
Viele mittelständische Unternehmen nutzen heute Topologieoptimierung, um Bauteile leichter zu machen – doch die so entstehenden Strukturen sind oft rau und schwer herstellbar. Sie berücksichtigen weder Entformungsschrägen noch Mindestwandstärken oder Montagetoleranzen. Das Ergebnis: Aufwändige Nacharbeit im CAD-System, wiederholte Simulationen und lange Schleifen in der Produktentwicklung.
Die Idee: Subdivision-Flächen treffen Echtzeit-FEM
Im Projekt wandeln wir zunächst die rohen Optimierungsergebnisse in glatte Catmull-Clark-Subdivisionflächen um. Diese „organischen“ Flächen lassen sich intuitiv verformen – vergleichbar mit digitalem Ton. Neu ist, dass eine GPU-beschleunigte Finite-Elemente-Simulation (RISTRA) direkt an dieses Modell gekoppelt wird: Jede Verschiebung am Kontrollnetz aktualisiert in Sekundenbruchteilen das Ergebnis-Bild der FEM-Analyse. Konstrukteur*innen sehen sofort, wie sich Steifigkeit oder Spannungen ändern – ganz ohne erneutes Vernetzen.
Warum das für KMU spannend ist
- Schnellere Entscheidungsschleifen – Design-Änderungen und strukturelle Auswirkungen sind in einem Arbeitsschritt sichtbar.
- Geringerer Materialeinsatz – Überdimensionierung wird vermieden, weil die Bauteile bis zum letzten Gramm ausgereizt werden können.
- Bessere Team-Kommunikation – Konstruktion, Simulation und Fertigungsplanung arbeiten am selben Modell und sprechen dieselbe visuelle Sprache.
- Zukunftsfähig – Die Architektur öffnet die Tür für KI-gestützte Shape-Optimization-Workflows, an deren Eignung das Projektteam parallel forscht.
So funktioniert der Workflow – vereinfacht erklärt
- CAD-Import & SubD-Aufbereitung
Optimierte Gitter- oder Voxeldaten werden in Subdivision-Kontrollnetze konvertiert – gängig in Tools wie Rhino oder Blender. - Interaktive Formanpassung
Anwender:innen verschieben Knoten, glätten Flächen oder fügen Fertigungsfeatures wie Entformungsradien hinzu. - Echtzeit-Analyse
Das verformte Tetraedernetz ist direkt mit der Simulation gekoppelt und wir sofort berechnet; kritische Bereiche werden farblich hervorgehoben. - Export in Serien-CAD
Bei Bedarf wandelt das System die SubD-Flächen in B-Rep-Geometrien um – bereit für Fertigungszeichnungen oder 3-D-Druck.
Ausblick
Nach dem Proof-of-Concept plant das Team, KI-Methoden zu evaluieren, die Formvorschläge oder Netzanpassungen automatisiert liefern. Damit könnte der bislang manuelle Schritt der Formfindung weiter verkürzt werden – ein spannender nächster Schritt für viele KMU in Richtung datengetriebener Produktentwicklung.
Mit diesem Praxisbeispiel möchten wir zeigen, dass Echtzeit-Simulation schon während der Bauteilmodellierung eingesetzt werden kann, um die Machbarkeit noch früher überprüfen zu können.


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